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GmbH verkaufen § Ablauf, Kosten & mehr

Die eigene GmbH verkaufen und Ruhe geniessen oder Kapital anderweitig investieren und neuen Projekten folgen… Es gibt zahlreiche Motive für einen Firmenverkauf und mindestens genauso viele Gesetze sind dabei zu beachten. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Rechtsgrundlage den Verkauf einer GmbH regelt, was der Unterschied zwischen einem Share und einem Asset Deal ist, welche Rolle der Abtretungsvertrag spielt und wie der GmbH Verkauf abläuft. Ausserdem wird geklärt, welche Steuern durch den Verkauf anfallen können und mit welchen Kosten gerechnet werden sollte, wenn Sie Ihre GmbH verkaufen.
Inhaltsverzeichnis

GmbH verkaufen Rechtsgrundlage im Überblick

Wenn Sie Ihre GmbH verkaufen möchten, dann kann dieser Vorgang auf zwei Arten rechtlich vollzogen werden. Entweder werden wirtschaftliche Güter an einen Dritten übereignet (Asset Deal) oder die Stammanteile des Verkäufers gehen an den Käufer über (Share Deal).

Die entscheidende Norm für die Übertragung der Stammanteile der Gesellschaft ist Art. 785 OR. Neben den weiteren Bestimmungen aus dem Obligationenrecht findet auch das Fusionsgesetz Anwendung. Art. 69 ff. FusG ist für die Vermögensübertragung besonders entscheidend.

Der Betriebsmittelverkauf richtet sich nach Art. 181 OR. Vertraglich liegt dem Geschäft ein so genannter Abtretungsvertrag zugrunde. In diesem werden die Rechte und Pflichten von Verkäufer und Käufer der Stammanteile bestimmt. Gemäss Art. 786 Abs. 1 OR und Art. 808b OR muss der GmbH Verkauf durch Abtretung der Stammanteile durch die Gesellschafterversammlung genehmigt werden. Der Vertrag, um Ihre GmbH verkaufen zu können, muss nach Art. 785 Abs. 1 OR in Schriftform abgefasst werden. Um den Verkauf einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung wirksam zu beschliessen, sieht der Gesetzgeber eine öffentliche Beurkundung dann vor, wenn:

  • Statuten die einzelnen Stammanteile den Gesellschaftern namentlich zuweisen
  • sich durch den Gesellschafterwechsel die Anzahl und/oder der Nennwert der Stammanteile ändern.

Abgrenzung zwischen Share Deal und Asset Deal

Neben dem (bisher vorwiegend beschriebenen) Share Deal, bei dem die Stammanteile der Gesellschaft übertragen werden, gibt es den Asset Deal, um eine GmbH zu verkaufen. Diese Arten von Unternehmenskauf unterscheiden sich dadurch, dass der Kaufgegenstand verschieden ist. Beim Asset Deal werden keine Anteile der bestehenden Gesellschaft gekauft. Die Kaufgegenstände sind Vermögenswerte – wie zum Beispiel Maschinen, laufende Verträge und so weiter. Diese “Assets” werden der bestehenden Firma entzogen und dem Käufer bzw. einer (neuen) Gesellschaft des Käufers zugeordnet.

Ob beim GmbH verkaufen ein Share oder Asset Deal die richtige Wahl ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Besonders steuerrechtlich gibt es gravierende Unterschiede, die Sie kennen sollten. Da jeder Verkauf bzw. jede Sachlage einzigartig ist, sollten Sie sich durch einen Spezialisten beraten lassen.

Abtretungsvertrag beim GmbH Verkauf

Nach Art. 785 OR wird der Verkauf einer GmbH durch einen Abtretungsvertrag beschlossen. Dieser Vertrag ist die schuldrechtliche Komponente, die den Verkäufer verpflichtet, die Stammanteile an den Käufer zu übertragen. Dieser wiederum muss im Gegenzug den vereinbarten Kaufpreis bezahlen. Neben diese Hauptbestimmungen kann der Abtretungsvertrag – im Zuge der Vertragsfreiheit – relativ frei ausgestaltet werden. Typische Vertragsinhalte im Abtretungsvertrag beim GmbH verkaufen sind:

  • Name und Daten zum Käufer und Verkäufer
  • Nennung der Informationen bezüglich der Gesellschaft
  • Anzahl der Stammanteile
  • Kaufpreis
  • Nachschuss- und Nebenleistungspflichten
  • Vorhandrechte, Vorkaufsrechte, Kaufrechte der Gesellschafter
  • Strafen bzw. Konventionalstrafen
  • Konkurrenzverbot für Gesellschafter
  • Zustimmung der Gesellschafterversammlung gem. Art. 786 OR
  • Salvatorische Klausel / Unwirksamkeitsregelungen
  • Regelungen der Haftung und Gewährleistung
  • Unterschrift und ggf. notarielle Beurkundung

Ablauf: Vorbereitungen, Gesellschaftsrecht, Verhandlungen, Übertragung

Das GmbH verkaufen lässt sich in mehrere Schritte unterteilen. Der Prozess kann sich über Wochen oder Monate ziehen, was völlig normal ist. Im ersten Schritt müssen die Vorbereitungen getroffen werden, um die GmbH verkaufen zu können. Es werden Unterlagen gesammelt bzw. vorbereitet, sodass der Wert der Gesellschaft mit beschränkter Haftung ermittelt werden kann. Ausserdem müssen Sie entscheiden, ob ein externer Berater den Verkauf begleiten soll.

Sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann mit der Suche nach dem passenden Käufer begonnen werden. Der Verkauf einer GmbH kann durch einen Vermittler erfolgen oder selbst durch Beziehungen zustande kommen. Sobald sich ein passender Käufer gefunden hat, steigen Sie in die Verhandlungen ein. Typische Vertragsinhalte, die verhandelt werden, sind:

  • Kaufpreis
  • Zeitlicher Ablauf der Übertragung
  • Allgemeine Rechten und Pflichten
  • Haftung und Gewährleistung
GmbH verkaufen nur mit Gesellschafterbeschluss

Das Obligationenrecht sieht vor, dass im Normalfall ein Gesellschafterbeschluss ergehen muss, der die Übertragung der Stammanteile erlaubt. Damit der Vertrag wirksam werden kann, müssen die Gesellschafter in der Gesellschafterversammlung einen entsprechenden Beschluss erlassen. Erst mit diesem Beleg ist eine Änderung des Handelsregisters möglich. In wenigen Ausnahmefällen ist der Beschluss beim GmbH verkaufen entbehrlich (bspw. durch spezielle Regelungen im Gesellschaftsvertrag.

Sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind, kann der Abtretungsvertrag formuliert werden. Je nach Umständen erfolgt der Vertragsabschluss mit oder ohne Notar. Sobald der Vertrag wirksam geworden ist, muss das tatsächliche Geschäft vollführt werden. Das bedeutet, dass die Stammanteile bzw. die Firma übergeben wird, sodass der Käufer in das Tagesgeschäft einsteigt. Final müssen die Unterlagen des Verkaufs bei der zuständigen Behörde (meist: Handelsregister) eingereicht werden. Danach erfolgt die Änderung der Handelsregistereintragung. Je nach vertraglichen Vereinbarungen ist vorgesehen, dass der Verkäufer die Übergabe zum Tagesgeschäft begleitet und bei der Einarbeitung unterstützt.

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Steuerliche Folgen für den Verkäufer & Ausnahmen

Wird die Gesellschaft mit beschränkter Haftung auf diesem Wege verkauft, so zählen die Gewinne zur Kategorie der “Privaten Kapitalgewinne”. Steuerrechtlich gilt, dass diese Einnahmen nicht versteuert werden müssen. Eine GmbH verkaufen mit Schulden oder ohne Schulden ist also in vielen Fällen steuerfrei. Es gibt jedoch drei (besonders häufig vorkommende) Ausnahmen, in welchen durch den GmbH Verkauf doch Steuern für den Verkäufer anfallen:

  • Indirekte Teilliquidation: Sofern Gewinnvorträge vor dem Verkauf nicht ausgeschüttet werden und so zu einem höheren Preis führen, liegt eine so genannte indirekte Teilliquidation vor. Diese muss nach geltendem Steuerrecht versteuert werden.
  • Transponierung: Werden privat gehaltene Beteiligungsrechte durch einen Aktionär an eine selbstbeherrschte Gesellschaft verkauft, so kann das Geschäft unter Umständen wie ein Vermögensvertrag besteuert werden.
  • Gemischter Vertrag: Der Abtretungsvertrag geht über den reinen Beteiligungsverkauf hinaus und macht das Geschäft von der Fortführung des Arbeitsverhältnisses des Verkäufers in der Gesellschaft abhängig. Der gesamte Gewinn kann ggf. als Lohneinkommen besteuert werden.

Es ist wichtig und lohnenswert die steuerrechtliche Situation im Voraus zu analysieren und den GmbH Verkauf daraufhin zu optimieren. Die beim GmbH verkaufen anfallenden Steuern können je nach Besonderheiten stark variieren. Ein Steuerberater kann Sie bei der Steueroptimierung unterstützen und die Transaktion begleiten.

GmbH verkaufen Kosten (Faktoren)

Welche Kosten beim Verkauf einer GmbH tatsächlich entstehen, kann nicht pauschal beantwortet werden. In der Praxis arbeiten unterschiedliche Experten mit Ihnen daran, Ihre GmbH Verkauf maximal gewinnbringend abzuwickeln. Bitten Sie im Zweifel diese Unterstützer um eine Einschätzung der zu erwartenden Kosten. Typische Kostenfaktoren sind:

  • Anwaltskosten, Notarkosten
  • Steuerberater
  • Externe Berater (Unternehmensberater)

Die Höhe der Honorare bestimmt sich massgeblich nach Komplexität, Aufwand, Anforderungen und dem Wert der zu veräussernden Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Je nach Verhandlungskonstellation kann vertraglich vereinbart werden, dass die dem Verkäufer entstehenden Kosten ganz oder teilweise vom Käufer getragen werden.

Wie kann ein Anwalt helfen?

Bei einem derart wichtigen, komplexen und hochwertigen Geschäft wie dem Verkauf einer GmbH sollten Sie sich in jedem Fall anwaltlich berater und begleiten lassen. Besonders bei rechtlichen Vorüberlegungen, der Formulierung des Abtretungsvertrages und der Abwicklung des Geschäfts steht Ihnen Ihr Anwalt für Vertragsrecht mit Rat und Tat zur Seite. Weiterhin verfügt der exzellente Anwalt über Verhandlungsgeschick und kann bei Streitigkeiten als Mediator fungieren. Sollten sich während oder nach den Verhandlungen Probleme abzeichnen, übernimmt Ihr Rechtsanwalt die gerichtliche oder aussergerichtliche Vertretung. Wenn Sie Ihre GmbH verkaufen möchten, können wir Ihnen unsere praktische Anwalts-Suchfunktion empfehlen. Mit dieser finden Sie schnell und einfach kompetente Rechtsanwälte in Ihrer Nähe. Vereinbaren Sie noch heute kostenlos ein unverbindlichen Gespräch zur Erstberatung, um den GmbH Verkauf rechtssicher und reibungslos abzuwickeln.

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FAQ: GmbH verkaufen

Die Bewertung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung erfolgt nicht nach einer einheitlichen Methode. Der Wert hängt von zahlreichen Faktoren – wie zum Beispiel Bilanz, Mietverträgen, Stille Reserven, Wareninventur etc. – ab. Deshalb gibt es externe Spezialisten, die all diese Faktoren in ihre Bewertung einfliessen lassen. Auf diesem Wege wissen Sie, welche Ergebnisse Sie realistisch bei den Verhandlungen anvisieren können.
Wenn Sie Ihre GmbH verkaufen, zählt der entstandene Gewinn steuerrechtlich als “Privater Kapitalgewinn” – zumindest beim Share Deal. Das bedeutet, dass die Einnahmen durch die Übertragung der Gesellschaftsanteile nicht versteuert werden müssen. Ausnahmen gibt es bei einer Teilliquidation, einem gemischten Vertrag oder einer Transponierung.
Ja. Es gibt kein Gesetz, welches es verbietet, eine verschuldete GmbH verkaufen oder kaufen zu dürfen. Der Verkaufsprozess ist jedoch in solchen Konstellationen komplizierter und es lauern einige Fallstricke. Wenn Sie eine verschuldete GmbH verkaufen möchten, sollten Sie sich in jedem Fall durch entsprechende Anwälte, Steuerberater und Co. berater bzw. begleiten zu lassen.
Ein Beitrag unserer  Online-Redaktion
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